Apfelanbau gestern und heute
Wie hat sich der Apfelanbau entwickelt?
Die Wiege des Apfels liegt in Westasien. Noch heute stehen dort wilde Apfelwälder, in denen der Holzapfel (Malus sylvestris) und der Zwergapfel (Malus pumila) in ihrer ursprünglichen Form wachsen. Beides sind Wildapfelarten, von denen die heutigen Sorten abstammen.
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Der griechischen Sage nach brachte Herakles den Apfel aus den Gärten der Hesperiden nach Griechenland. Anderen Quellen zufolge war es Alexander der Große, der die erfrischende Frucht von seinen Feldzügen in Persien kannte und die ersten Apfelbäume in Griechenland anpflanzen ließ. Von dort gelangte der Apfel nach Italien, mit den Feldzügen der Römer etwa im Jahre 100 v. Chr. dann nach Frankreich und Deutschland. In Deutschland waren Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 2.000 Apfelsorten bekannt.
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Blühende Apfelbäume
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Apfel-Boom
Im Jahr 1860 wurde der "Deutsche Pomologenverein" gegründet. Er widmete sich der Pomologie, das heißt der Bestimmung, Beschreibung, Empfehlung und Erhaltung von Obstarten und -sorten. Gegen Ende des Jahrhunderts lieferte er Sortenempfehlungen für den beginnenden Erwerbsobstbau und empfahl die Vernichtung "unwerter Sorten". Damit schränkte sich die Sortenvielfalt langsam wieder ein. Als ab 1950 Abholzungsprämien für Obstbäume gezahlt wurden, ging der Bestand an Streuobstwiesen deutlich zurück und die Sortenauswahl schränkte sich auf wenige Standardsorten ein.
Obstart mit großer Bedeutung
Der Apfel ist die mit Abstand bedeutendste Obstart für deutsche Obstbaubetriebe. Jeder Bundesbürger isst im Durchschnitt rund 40 kg Äpfel pro Jahr, das ist mehr als in allen anderen Ländern der EU. Nur die Hälfte der verzehrten Äpfel wächst jedoch im Inland. Der Rest wird aus Italien, Frankreich, den Niederlanden und der südlichen Hemisphäre importiert.Die Verbraucher/innen in Deutschland kaufen nach wie vor am häufigsten die Sorte Golden Delicious. Jonagold, Golden Delicious, Elstar, Cox Orange, Boskoop, Rubinette, Gala und Braeburn sind die beliebtesten Sorten. Gloster, Granny Smith und Idared verlieren an Bedeutung. Gut die Hälfte der 21.000 deutschen Obstbaubetriebe bewirtschaftet in Baden-Württemberg über 15.000 ha Fläche. Jeder dritte Marktobstapfel wächst also hier. Bezieht man die weiten Streuobstflächen mit ein, verschiebt sich die Apfelmenge dieses Bundeslandes sogar auf die Hälfte am gesamtdeutschen Anteil.

Veredelung von Apfelbäumen
Vom Riesen zum Zwerg
Der erwerbsmäßige Obstanbau hat sich seit den 70er Jahren stark geändert. Prägten bis dahin großkronige, hochstämmige und damit arbeitsintensive Apfelbäume die Erwerbsanlagen, findet der Anbau heute ausschließlich in Niederstammform statt. Auf derselben Fläche stehen dadurch heute 10- bis 20-mal so viele Bäume. Ihre Wuchshöhe ist so eingeschränkt, dass alle Früchte ohne Leiter von Hand erreicht werden können. Voraussetzung für diese Erziehungsform sind Veredlungen. Das erhöht zwar die Kosten der Neuanlage, mindert aber die Arbeitskosten für Ernte und Pflege enorm. Veredlung von Apfelbäumen Um die Wuchshöhe der Apfelbäume einzuschränken, müssen die Edelsorten auf schwach wachsende Unterlagen veredelt werden. Die Unterlage bildet den Wurzelteil, aus dem darauf veredelten Zweig- oder Knospenstück wächst die Baumkrone. Die so entstehenden kleinen Bäume heißen Spindeln.
Bei der Veredlung wird zum Beispiel ein Knospenauge der Edelsorte in eine Unterlage eingesetzt. Die Art der Unterlage bestimmt entscheidend das Wachstum. Stark wüchsige Unterlagen liefern Hochstämme, schwache die kleinkronigen Spindeln.Ohne die Veredlung gäbe es keinen Sortenerhalt, da durch die Vermehrung über Samen keine sortenechten Jungpflanzen entstehen. Bei der so genannten vegetativen - ungeschlechtlichen - Vermehrung, zu der die Veredlung gehört, können Sorten erhalten werden.
Lebensraum Streuobstwiese
Für das Verschwinden der traditionellen Streuobstwiesen aus dem Landschaftsbild gab es mehrere Ursachen: Neben der zunehmenden Verbreitung der niedrigen Wuchsformen in den Obstbaubetrieben, verteuerte sich die Arbeitskraft und der Kostendruck durch Importe stieg. Da die Obstwiesen meist rund um die Dörfer angelegt wurden, war und ist der Hauptfeind der Streuobstbestände aber die Ausdehnung der Neubaugebiete.
Trotzdem bildet der Streuobstbau für die Saftherstellung und die sonstige Weiterverarbeitung noch die mit Abstand wichtigste Produktionsgrundlage. Im Lebensraum Streuobstwiese finden sich bis zu 3.000 verschiedene Tierarten, darunter etliche, die als gefährdet auf den Roten Listen stehen: Siebenschläfer, Haselmaus, Steinkauz, Gartenrotschwanz oder Wendehals.