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Expertenforum: Obst- und Gemüsegarten    «zurück

Frage von papagei am 09.06.2006 19:31 Uhr

Unterscheidung von Holunderarten

Wir haben einen alten Garten gekauft in dem sich mehrere Holundersträucher befinden. Nun sind die Beeren dieser Sträucher eher etwas größer und ovaleckig und nicht kugelrund wie die Holunderbeeren in unserem alten Garten, der Geschmack ist vergleichbar. ich habe zum Selbsttest nur eine verkostet, da ich gelesen hatte, dass es auch eine giftige Holundersorte namens Zwergholunder gibt. Ist unser Holunder nun eine andere Sorte oder möglicherweise giftig?Ich würde die Beeren sonst gerne nutzen. Vielen Dank.

Antwort von Joerg Planer am 10.06.2006 13:31 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in

Der Holunder (Sambucus) ist eine Gattung aus der Familie der Moschuskrautgewächse, die insgesamt 25 Arten umfasst. In Mitteleuropa kommen vor allem drei Arten häufiger vor, von denen die bekannteste und am häufigsten vorkommende der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist. Obwohl die Beeren des Schwarzen Holunders nahezu frei von dem giftigen Glykosid Sambunigrin sind, sollten Sie nur in gekochter oder vergärter Form verzehrt werden. Unreife Beeren sowie grüne Pflanzenteile sind dagegen giftig.

Die zweite, etwas weniger bekannte Art ist der Rote Holunder (auch Berg- oder Traubenholunder genannt; Sambucus racemosa) dar. Dieser wird bis zu 3 Meter groß, hat gelblich-grüne Blütenrispen und leuchtend rote Früchte. Er ist bereits beim Austrieb leicht vom schwarzen Holunder zu unterscheiden, da seine Blätter anfangs bronzefarben bis rot sind und dann erst vergrünen. Außerdem zeigen sich seine Fruchtansätze bereits mit dem Blattaustrieb. Stehen Blüten und Früchte zur Unterscheidung nicht zur Verfügung kann man einen Zweig abbrechen und an der Farbe des Marks unterscheiden: Schwarzer Holunder hat weißes, roter Holunder gelbbraunes Mark. Die Beeren des roten Holunders sollten nicht roh verzehrt werden, da die Samen giftig sind.

Die dritte, bei uns vorkommende Art, ist der von Ihnen benannte Zwergholunder (Sambucus ebulus), oder auch Attich genannt. Bei dieser Art handelt es sich im Gegensatz zu den anderen beiden Arten um eine krautige (also nicht verholzende) Staude, die nur etwa ein bis zwei Meter hoch wird. Die beiden erstgenannten Holunderarten sind hingegen verholzende Sträucher bzw. Bäume.
Am Duft der Blüten und Blätter kann man den Zwergholunder ziemlich deutlich erkennen: Der Duft der weißen oder rosa Blüten erinnert etwas an Bittermandeln; dagegen verströmen die Blätter, besonders wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt, einen widerlichen Geruch. Die Blätter des Schwarzen Holunders riechen hingegen beim Zerreiben in etwa wie die Blüten. Die Beeren des Zwergholunders sind giftig (verursachen Durchfall und Erbrechen) und dürfen daher nicht gegessen werden.

Weitere Informationen zur Giftigkeit der Holunderarten finden Sie auf den Seiten der Giftzentrale.

Die folgenden Seiten enthalten ausführlichere Informationen sowie Erkennungsmerkmale zu den Holunderarten:

Infos der LÖBF zum Zwergholunder

Unterscheidungsmerkmale der drei bekannten Holunderarten

Sollten Sie sich bei der Bestimmung trotz der oben genannte Merkmale nicht ganz sicher sein, empfehle ich Ihnen eine Fachmann in Ihrer Umgebung hinzuzuziehen. Eventuell handelt es sich ja um eine eingeführte Art, die Ihr Vorgänger dort gepflanzt hat? Nehmen Sie dazu am Besten einen Ast, Blüten oder Beeren (je nach Verfügbarkeit) von der zu bestimmenden Art und fragen Sie in der nächstgelegene Baumschule oder bei einem Gärtner Ihres Vertrauens nach. Im Internet finden Sie bei den Gartenakademien der Länder manchmal Spezialisten in Ihrer Gegend, die Ihnen sicherlich weiterhelfen können.


Mit freundlichen Grüßen
Jörg Planer
Diplom-Agraringenieur



Stichwörter: Holunder, Arten, giftig, Bestimmung, Schwarzer Holunder, Traubenholunder, Roter Holunder, Attich, Zwergholunder

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