Austernpilze
Pleurotus spp.
Geschichte
Die ersten Kulturversuche mit dem Austernpilz unternahmen die Franzosen im Jahre 1897. In Deutschland widmete man sich erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts seiner gezielten Vermehrung.
Besonderheiten
Austernpilze sind Primärzersetzer, die ursprünglich auf Laubholz wachsen. Sie bilden ein Pilzgeflecht, das Myzel, das auf die Zersetzung von Holzstoffen (Lignin) und Cellulose spezialisiert ist, aber auch aus dem gewachsenen Boden Feuchtigkeit und Nährstoffe aufnehmen kann.
Standortbedingungen
Austernpilze gedeihen nur bei ausreichend viel Licht, völlige Dunkelheit führt zu Fruchtkörper-Deformationen. Bei der Wahl des Standortes sollte darauf geachtet werden, dass dieser einen Schutz vor Wind, Asseln und Schnecken bietet. Als Substrat eignen sich Holzstämme und Strohballen.
Anbau auf Holzstämmen
Für die Kultur von Austernpilzen geeignete Holzarten sind Buche, Birke, Pappel, Weide sowie sämtliche Obstbaumarten. Die Holzstämme müssen gesund, das heißt frei von Pilzbefall, sein und eine intakte Rinde haben. Dazu verwendet man am besten frisch in der Winterruhe des Baumes gefälltes Holz. Sollte dies nicht möglich sein, kann auch auf alte getrocknete Holzstämme zurückgegriffen werden. Diese müssen dann für die Austernpilzkultur befeuchtet werden.
Impfung
Für die Impfung der Holzstämme mit dem Myzel sind Temperaturen von mindestens 18 °C nötig, weswegen diese Arbeit am besten zwischen Mai und September durchgeführt wird. Die Impfung erfolgt mit Stäbchenbrut, dies sind von Myzel durchwachsene Holzzapfen. Sie können über Gartencenter, Substrat- oder Bruthersteller bezogen werden. Entsprechend der Anzahl der Brutstäbchen, werden mit einem Bohrer über den gesamten Stamm verteilt Löcher gebohrt, in die man die – vorher gut gewässerten – Stäbchen hineinsteckt. Wichtig ist, dass diese exakt passen, damit ein guter Kontakt zum Holz besteht.
Pflege während der Durchwachsungsphase
Beimpfte Holzstämme werden während der Durchwachsungsphase, in der das Myzel das Holz durchwächst, bei Temperaturen von 17 bis 25 °C feucht und schattig gelagert. Sobald der Pilz in das Holz eingedrungen ist - nach rund drei Wochen -, kann ihm Frost nichts mehr anhaben.
Die Kunst des Austernpilzanbaus liegt darin, während der Durchwachsungsphase optimale Bedingungen für die beimpften Hölzer zu schaffen. Zu feuchtes Holz begünstigt die Ansiedlung von Konkurrenzpilzen. Zu trockenes Holz hemmt hingegen das Wachstum des Austernpilz-Myzels im Holz. Sollte sich nach einigen Wochen um die Impfstelle ein Fleck aus weißem Myzel gebildet haben, kann dies als positives Zeichen gewertet werden.
Je nach Holzart und Temperatur erscheinen nach zwei bis vier Monaten die ersten Fruchtkörper, die wie kleine blaugraue Knötchen aussehen. Diese wachsen in 10 bis 14 Tagen zu ihrer vollen Größe und Reife heran.
Erntephase
Nach der Durchwachsungsphase werden die Stämme an einem schattigen Platz zu einem Drittel Ihrer Länge so in den Boden eingegraben, dass ein fester Kontakt zwischen Holz und Erde geschaffen wird. Dies gewährleistet eine gute Durchfeuchtung des Holzes und erlaubt es dem Pilz dem Boden Nährstoffe zu entziehen.
Fruchtkörper werden bei Temperaturen zwischen 10 und 23 °C etwa zwei- bis dreimal im Jahr gebildet, meistens jedoch im Frühjahr und im Herbst. Während Trockenperioden sollten die Stämme einmal wöchentlich, während der Fruchtkörperbildung zwei- bis dreimal wöchentlich mit Wasser überbraust werden. Die Holzstämme tragen über drei bis fünf Jahre Pilze. Danach sind die Nährstoffreserven meist erschöpft.
Jörg Planer, Alfter