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Haferwurzel

Tragopogon porrifolius


Synonyme

Weißwurzel, Habermark, Bocksbart, Markwurzel, Milchwurzel


Geschichte und Besonderheiten

Die Haferwurzel war über Jahrhunderte hinweg ein sehr beliebtes Wurzelgemüse. Der häufig auch als Weißwurzel bezeichnete Korbblütler (Asteraceae) stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wo er schon in der Antike als Gemüse verwendet wurde. In unseren Breiten war es Albertus Magnus, der die Haferwurzel im 13. Jahrhundert als erster erwähnte und wegen ihres Geschmacks rühmte.
Gruppe von Haferwurzelpflanzen im Zustand der Samenreife (Foto: Gerhard Bohl) 
Haferwurzelpflanzen im Zustand der Samenreife (Foto: Gerhard Bohl)

 

Über viele Jahrhunderte wurde die Haferwurzel immer wieder in der Literatur erwähnt, bis die sehr ähnliche Schwarzwurzel sie dann im 19. Jahrhundert zunehmend von der Speisekarte verdrängte. Einen Anbau von nennenswertem Umfang gibt es heute nur in England. Dort wird das Wurzelgemüse noch sehr geschätzt und wegen seines leicht an Austern erinnernden Geschmacks liebevoll „vegetable oyster“ (vegetarische Auster) genannt. 

 

Auch wenn sie gar nicht richtig weiß ist: Den Namen Weißwurzel erhielt das schlanke Gemüse wohl deswegen, weil die Wurzeln, verglichen mit denen der sehr dunklen Schwarzwurzeln, fast weiß erscheinen. Nach dem Motto: Wo es schwarze gibt, muss es auch weiße geben. Innen sind Haferwurzeln jedoch wie Schwarzwurzeln weißfleischig.

Blätter von Haferwurzelpflanzen, die Pflanzen sind in einer Reihe gepflanzt (Foto: Gerhard Bohl)
Haferwurzeln werden ähnlich wie Schwarzwurzeln kultiviert (Foto: Gerhard Bohl)

Die Haferwurzel ist ein zweijähriges Gewächs, welches im ersten Jahr Wurzeln und Blätter und im zweiten Jahr die Blüten bildet. Die violette Blüte, die sich morgens öffnet und abends wieder schließt, ist sehr schön anzusehen. Aus diesem Grund ist die Pflanze auch zu Zierzwecken eine echte Versuchung wert. Die Samenstände erinnern an eine dicke Pusteblume mit langen Samen, wie bei Löwenzahn.

 

Im Gegensatz zur Schwarzwurzel kommt es bei der Haferwurzel häufiger vor, dass die Pflanzen schon im ersten Jahr in Blüte gehen. Wenn die ersten Blütenstängel erscheinen, wird die Wurzel jedoch holzig und damit ungenießbar. Da es im Hobbygarten aber nicht um hohe Erträge, sondern hauptsächlich um die Freude am Gärtnern geht, lässt sich dieser Umstand – besonders wegen der Schönheit der Blüten – verschmerzen.

 

Kulturtipps

Die Kultur der Haferwurzel ist ähnlich der von Schwarzwurzeln. Bevorzugt wird ein tiefgründiger, sandig humoser Boden, der vor der Aussaat tief gelockert werden sollte, damit die Wurzeln nicht verzweigen und kurz bleiben. Gedüngt wird mit etwas Kompost, der vor der Aussaat oberflächlich in den Boden eingeharkt wird.

Beginnen Sie mit der Aussaat möglichst früh ab Anfang März, sobald der Boden abgetrocknet ist. Spätere Saaten sind noch bis in den Mai hinein möglich. Säen Sie die Samen der Haferwurzel in etwa 2 bis 3 cm tiefe Saatrillen, die einen Abstand von etwa 20 bis 25 cm haben sollten. Es ist besser, anfangs etwas dichter zu säen und dann nach dem Aufgehen der Saat die Pflanzen auf 10 bis 15 cm in der Reihe auszudünnen. Prüfen Sie vor der Aussaat das Alter des Saatguts, denn die Samen der Haferwurzel sind nur zwei bis vier Jahre keimfähig. Für die Keimung ist genügend Bodenfeuchtigkeit nötig. Bei Trockenheit sollte ausgiebig gegossen werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Pflanzen zu früh in Blüte gehen und die Wurzeln damit unbrauchbar werden.


Ernte und Lagerung

Geerntet wird frühestens ab Anfang Oktober, da die Wurzeln gerade im frühen Herbst noch reichlich an Masse zulegen. Für eine sinnvolle Verwertung in der Küche sollte die Wurzel eine Dicke von mindestens 2,5 cm und eine Länge von etwa 30 cm haben. Da die Haferwurzel unempfindlich gegenüber Frost ist, kann sie den Winter über im Boden belassen und dort nach Bedarf entnommen werden. Leichte Frosteinwirkung macht die Wurzeln sogar noch etwas süßer. Zum Schutz vor zu starken Frösten sollte die Erde über den Wurzeln jedoch mit etwas Stroh oder Reisig abgedeckt werden. Graben Sie die Wurzel vorsichtig mit einer Grabgabel aus der Erde, denn sie brechen leicht.


Verwendung in der Küche

Haferwurzeln können in der Küche ähnlich wie Schwarzwurzeln verwendet werden. Der Vorteil der Haferwurzel ist, dass man sie nicht unbedingt schälen muss. Denn ähnlich wie bei ihrer schwarzen Kollegin tritt beim Schälen Milchsaft aus, der sich an der Luft braun verfärbt und Flecken auf Händen und Wurzelgemüse hinterlässt. Entfernen Sie also nur die anhaftenden Nebenwurzeln und reinigen die Wurzel mit einer Bürste und etwas Wasser. Sollten Sie sie dennoch schälen wollen, empfiehlt es sich, Gummihandschuhe zu verwenden und die geschälten Wurzeln schnell in Wasser mit einem Schuss Milch oder Zitrone einzulegen. 

 Fünf Wurzeln der Haferwurzel auf einer Hand (Foto: Dreschflegel GbR)
Haferwurzeln müssen vor dem Verzehr nicht geschält werden (Foto: Dreschflegel GbR)

Der süßlich-nussige Geschmack der Haferwurzel erinnert etwas an Austern. Zubereitet wird das sehr nahrhafte Gemüse ähnlich wie Schwarzwurzeln. Gekocht als Gemüsebeilage zu Fleischgerichten, als Einlage in Gemüsesuppen oder püriert als Haferwurzel-Cremesuppe. Auch die Blüten und Blätter sind essbar. Die schönen Blüten können Sie zum Verzieren von Salaten oder Tellern verwenden. Die Blätter können Sie entweder roh als Würze im Salat oder gekocht für Suppen nutzen.


Jörg Planer, Bonn

Artikel erstellt: 24.04.2007
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